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1.1.2 Politische Lage und Lebensbedingungen zur Gründerzeit.

Die Gründungszeit Edenhausens fällt in eine Zeit voller Veränderungen. Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122 – 1190, ab 1155 Kaiser) hatte das Heilige Römi­sche Reich Deutscher Nation nach Jahrzehnten des Niedergangs wieder zu einer wirtschaftlichen und politischen Blüte geführt.
Dies sollte aber nicht lange so bleiben:
Die Kreuzzüge gegen die Sarazenen waren schon voll im Gange und forderten unzählige Menschenleben. Dem 3. Kreuzzug fiel auch Friedrich Barbarossa am 08.06.1190 zum Opfer als er an der Spitze eines Kreuzfahrerheeres im Fluss Saleph (heute Göksu) auf dem Staatsgebiet der heutigen Türkei ertrank. Die Lehensnehmer und auch die Klöster mussten für die Kriegführung im Heiligen Land und auch für die kriegerischen Auseinandersetzungen des Kaisers mit den Nachbarstaaten ständig Unsummen von Geld zur Verfügung stellen, was dazu führte, dass die Landbevölkerung finanziell immer mehr ausgepresst wurde. Hinzu kam, dass das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in viele Klein­staaten zersplittert war und diese Kleinstaaten ebenfalls unaufhörlich miteinander Kriege führten. Einer dieser Kleinstaaten war auch das Reichsstift Ursberg, das ab 1143 reichsunmittelbare Herrschaft wurde. Der Propst bzw. Abt hatte die Funktion, die heute einem Ministerpräsidenten vergleichbar ist. Der Ursberger Abt war berechtigt, den Deutschen Kaiser mitzuwählen. Manche Ursberger Äbte wa­ren deshalb jahrelang fern ihres Herrschaftsgebietes und zogen im Gefolge der Deutschen Kaiser zu deren Krönung nach Rom. Die standesgemäße Repräsen­tation des Reichsstiftes kostete viel Geld und das musste den Untertanen abge­rungen werden. Dies geschah vor dem Hintergrund schlechter- heute nicht vorstellbarer land­wirtschaftlicher Erträge, die oft nicht einmal ausreichten, die eigene Familie zu er­nähren. Kartoffeln und Mais wurden erst Jahrhunderte später von Amerika ein­geführt, die wichtigsten Grundlagen der Fruchtfolgegestaltung, der Düngung oder gar eines Pflanzenschutzes waren unbekannt. Die damaligen Gesetze des Le­henswesens, der Zünfte und die Agrarverfassung verhinderten noch viele Jahr­hunderte lang eine wirtschaftliche Weiterentwicklung Europas. Arbeiten musste nur das einfache Volk, die Bauern, die Handwerker und die Kaufleute. Ein großer Teil der Bauern war nicht einmal frei. Sie waren Leibeigene und durften ihren Hof zeitlebens nicht verlassen. Sie hatten Abgaben zu leisten, die sie ständig mit Hunger und Tod konfrontierten. Ob sie heiraten durften oder nicht entschied der Landesherr. Die Häuser waren bis ins 18. Jahrhundert überwiegend aus Holz ge­baut. Strohdächer waren Standard. Die Gebäude hatten viele Jahrhunderte lang nur einen Raum, in dem Mensch und Vieh unter meist katastrophalen hygieni­schen Bedingungen zusammenlebten. Aufgrund der Bauweise waren die Häuser nach spätestens 30 Jahren verfault und mussten neu gebaut werden. Die leicht entzündlichen Baustoffe fingen häufig Feuer, wodurch nicht selten ganze Ort­schaften in Schutt und Asche gelegt wurden. Ganz im Gegensatz dazu war es für einen Adeligen eine Schande, zu arbeiten. Ihre Aufgabe bestand darin, zu regieren, sich die Zeit mit Krieg führen, Jagen und dem Feiern von Festen zu vertreiben. Das gilt genauso für die Kirchenfürsten, also die Bischöfe und die Äbte. Sie stammten fast alle von adeligen Familien ab, die die kirchlichen Führungspositionen dazu nutzten, ihren nachgeborenen Söh­nen und Töchtern ein wirtschaftliches Auskommen zu verschaffen, um ihnen weiterhin ein Leben ohne Arbeit und mit den Vergünstigungen des Adels zu ge­währleisten. Kirchliche Würdenträger können deshalb bis zur Säkularisation in keinster Weise mit den heutigen Bischöfen und Äbten verglichen werden. Sie hatten bis 1802 eine Doppelfunktion: Die des weltlichen und die des geistlichen Oberhauptes ei­nes Herrschaftsgebietes. Der Großteil der Kirchenfürsten des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit sah seinen Aufgabenschwerpunkt im Bereich der weltlichen Herrschaft. Der Bewohner Edenhausens war der Natur und auch den willkürlichen Übergrif­fen der Herrschaft schutzlos ausgeliefert. Aufgrund der katastrophalen hygieni­schen Verhältnisse nahm für mehrere hundert Jahre eine Pestwelle nach der an­deren ihren verhängnisvollen Lauf. In dieser Zeit wurde Edenhausen gegründet und mit Sicherheit wurde auch sofort eine Kirche gebaut. Diese war anfangs – wie damals alle Dorfkirchen aus Holz. Welchem Kirchenpatron sie gewidmet war, ist nicht bekannt. Bald nach 1173 ist die im Jahr 1209 erstmals erwähnte Edenhauser Kirche (wahrscheinlich) aus Stein erbaut worden. Sie erhielt den damals sehr modernen und in Deutschland überaus seltenen Kirchenpatron Thomas Becket