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Der neubarocke Kirchenbau (1947 – heute):

Nach einer Reihe von Renovierungen und einer Generalsanierung der Orgel im Jahr 1998 präsentiert sich die Edenhauser Kirche heute als ein Schmuckstück für den gesamten Ort. Die Außenfassade ist in gelber Farbe gehalten, die angedeuteten Säulen und Gesimse in Weiß, das Kirchendach ist mit Biberschwanzziegeln gedeckt, der Spitzhelm des Turmes mit grauem Schiefer. Der bei der Kirche befindliche alte Friedhof wurde 1974 Zug um Zug aufgelöst, heute findet sich dort nur noch das Heldengrab für die Gefallenen der beiden Weltkriege an der Nordostseite der Friedhofsmauer und das Priestergrab am nördlichen Treppenaufgang.
Außenansicht 2002




Außenansicht 2002

Betritt der Besucher das Innere der Edenhauser Kirche, wird er von einem lichtdurchfluteten Raum empfangen, der die Herrlichkeit des Weltenherrschers veranschaulicht. Sofort fällt der künstlerisch einfallsreich gestaltete Hochaltar mit seinen im unteren Teil paarweise angelegten gewendelten Säulen, dem Altarbild mit der Kreuzigungsszene und dem in Gold und Silber gehaltenen Tabernakel ins Auge. Der Hochaltar wurde von Anton Hörmann aus Babenhausen 1949 neu geschaffen. Das Altarbild zeigt den gekreuzigten Heiland, der die Gerechten zu sich ins himmlische Reich holt und die noch im Fegefeuer befindlichen armen Seelen derer, die in ihrem irdischen Leben die Nachfolge Christi nicht so ernst genommen hatten. Interessant ist, dass der gekreuzigte Heiland die Finger seiner rechten Hand zum Victory- Zeichen erhoben hat, das Winston Churchill, der englische Premierminister währen des 2. Weltkrieges immer wieder verwendet hatte, um die englische Bervölkerung zum Kampf gegen Hitlerdeutschland zu motivieren. Dieses Handzeichen Christi zeigt seinen endgültigen Sieg über das Böse. Zwei Reliquiare säumen rechts und links den Tabernakel.
Innenansicht




Innenansicht: Hochaltar, Volksaltar und Ambo

Die Ausmalung der Edenhauser Kirche wurde 1948 vom Ottobeurer Kunstmaler Sebastian Hausinger durchgeführt. Das Deckengemälde über dem Chor zeigt Mariä Verkündigung, das Deckengemälde des Hauptschiffes die Krönung Mariens. Betrachten wir die Marienstandbilder und das Gnadenbild Maria Major am rechten Seitenaltar, so wird dem kundigen Betrachter sofort klar, dass es sich bei der Edenhauser Kirche um eine Marienkirche handelt, bei der neben der Verehrung des Kirchenpatrons Thomas Becket auch Maria im Zentrum des Geschehens steht.
Deckengemaelde




Deckengemälde über den Chor: Mariä Verkündigung

Das Deckengemälde im Langhaus stellt den Bezug zur deutschen Geschichte und der des Bistums Augsburg her: Der dreieinige Gott und Maria lenken über der Wolke im Himmel das Gedeihen des Dorfes Edenhausen. Ein Engel streut die Saat des Glaubens über Edenhausen aus. Eine ganze Gruppe von Heiligen hilft den Bewohnern, diese Saat zu pflegen und den rechten Weg zu Gott zu finden: Am rechten Rand des Gemäldes ist Thomas Beckett, der Kirchenpatron, im Bischofsornat mit dem Schwert dargestellt. Gleichberechtigt steht ihm gegenüber, ebenfalls im Ornat des Bischofs, der hl. Ulrich. Ulrich lebte von 890 bis 973, also 150 Jahre bevor Ursberg und Edenhausen gegründet wurden. Ulrich ist der Patronatsheilige des Bistums Augsburg. Als Reichsfürst und Bischof von Augsburg errang er unter Kaiser Otto dem Großen 955 einen überwältigenden Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die heidnischen Ungarn. Hätte dieser Sieg Ulrichs nicht stattgefunden, wären das Heilige Römische Reich deutscher Nation und der christliche Glaube in Europa bereits in seinen Anfängen vernichtet worden. Nach der Legende errang Bischof Ulrich vor allem deshalb den Sieg, da auf seinem Schild die hl. Afra abgebildet war, die ihm in der Schlacht schützend zur Seite stand. Die hl. Afra lebte in Augsburg und wurde 304 als Märtyrerin im Zuge der Römischen Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian auf dem Lechfeld an einen Baum gebunden und verbrannt. Afra ist die Patronin der Diözese Augsburg. Der heilige Ulrich und die heilige Afra sind in der Krypta von St. Ulrich und Afra in Augsburg begraben.
Deckengemaelde




Deckengemälde im Langhaus: Krönung Mariens

Am unteren rechten Rand des Deckengemäldes im Langhaus ist der hl. Leonhard (500 – 570) im schwarzen Habit des Benediktiners mit der gesprengten Kette in der Hand dargestellt. Die Legende erzählt, dass zahlreichen Gefangenen die Ketten durch sein eigenes oder durch das an ihn gerichtete Gebet zersprungen seien. Der hl. Leonhard gilt als Bauernheiliger, als Nothelfer für die Pferde und das Vieh. Mit dem hl. Leonhard wird der Bezug zum täglichen Leben der Edenhauser hergestellt, die nach dem 2. Weltkrieg noch überwiegend in der Landwirtschaft tätig waren. Ein Heiliger, der das Gebet und die Frömmigkeit auf seine Fahnen geschrieben hatte, ist der neben dem hl. Leonhard dargestellte Bruder Konrad von Parzham (1818 – 1894). Bruder Konrad war 41 Jahre lang an der Klosterpforte von St. Anna in Altötting tätig. Mit bürgerlichem Namen hieß er Johann Evangelist Birndorfer. Bruder Konrad wird als Kapuzinermönch in braunem Habit dargestellt, meist damit beschäftigt, Brot an Kinder oder Bettler zu verteilen. Entlang der Traufe des Kirchenbaues sind die Anrufungen der lauretanischen Litanei in 12 Bildern in einem gelblichem Farbton gemalt. Auch dieses Detail der Kirchenbemalung weist auf den Schwerpunkt der Marienverehrung der Edenhauser Kirche hin.
Haus




Lauretanische Litanei: "Du goldenes Haus"


Pforte




Lauretanische Litanei: "Du Pforte des Himmels"


Die Herkunft eines Großteils der Inneneinrichtung, so der Kreuzigungsgruppen, der geschnitzten Engel sowie der Heiligen- und Christusfiguren ist weitgehend unbekannt. Die Herz- Jesu- Figur und die große Marienstatue sind wohl dem Krumbacher Meister Josef Hilber zuzuordnen. Das Gemälde des hl. Josef am linken Seitenaltar wurde 1959 von Superior Prim für 500 DM in einem Antiquariat in Augsburg erworben, die genaue Herkunft, das Alter und der Künstler konnten bisher nicht ermittelt werden. Das Herz- Jesu- Gemälde an der Südseite des Langhauses könnte von Josef Kober stammen, gesicherte Erkenntnisse darüber gibt es jedoch nicht.
Herz Jesu




Herz-Jesu-Gemälde an der Nordseite des Chores


Hl. Josef




Linker Seitenaltar: Heiliger Josef



Tabernakel




Tabernakel am Hochaltar

Ein markantes Strukturelement der Edenhauser Kirche sind die 14 in Öl gemalten Kreuzweg-Tafeln von 1959, die jeweils zur Hälfte an der Süd und an der Nordwand des Langhauses hängen.
Kreuzweg




Details vom Edenhauser Kreuzweg von 1959: 2. Station



Kreuzweg




Details vom Edenhauser Kreuzweg von 1959: 12. Station


Zum Abschluss der langjährigen Kirchenrenovierung wurde die Pfarrkirche für die Anforderungen der neuen Liturgie nach dem Konzil mit einem Volksaltar ausgestattet. Hierfür wurden Teile des 1949 entfernten neuromanischen Altares wieder verwendet. Im Volksaltar ist ein Holzrelief von 1889 des Krumbacher Meisters Josef Hilber eingefügt. Es zeigt Abraham beim Opfer seines Priesterkönigs Melchisedech.
Volksaltar




Volksaltar: Abraham beim Opfer seines Priesterkönigs Melchisedech


Der Priestersitz, der Ambo und die Ministrantenbänke neben dem Priestersitz waren ebenfalls – zumindest teilweise - Bestandteile der neuromanischen Einrichtung und fanden wieder Verwendung. Auch die vier Evangelistensymbole im Ambo fertigte Josef Hilber 1889. Alfred Lohmüller bemerkt dazu 1997: „ Diese arbeiten des Krumbacher Meisters Hilber sind eine der wenigen, die nicht völlig vergoldet oder versilbert, sondern in den Originalfarben noch zu sehen sind. Sie bedeuten einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung des alten heimischen Kunstschaffens. Der Kirchenmaler Walter Hagn, Burtenbach, und der Krumbacher Schreinermeister Franz Kreuzer haben dazu ihr meisterliches Können zur Verfügung gestellt.
Ambo




Aus neuromanischen Elementen gefertigter Ambo: Die 4 Evangelistensymbole Markus: Löwe, Matthäus: Engel, Lukas: Stier, Johannes: Adler



Die März- Orgel von 1908 wurde 1997 vom Immenstädter Orgelbaumeister Siegfried Schmied für 198.000 DM grundlegend saniert und teilweise umgebaut. Der Orgelprospekt wurde wegen des starken Holzwurmbefalles teilweise erneuert und die noch nutzbaren Teile wurden fachmännisch repariert.
Orgel




März-Orgel



Zusammenfassung: Die Ursprünge des ersten gotischen Kirchenbaues in Edenhausen gehen in die Zeit Friedrich Barbarossas zurück. Dieses Kirchengebäude hat offensichtlich weitgehend unbeschadet alle Kriege des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit überstanden. Die neue, barocke Kirche von 1735 erlitt bald nach ihrer Errichtung einen schweren Schaden durch Blitzschlag. Der Umbau zum neuromanischen Stil wurde um 1900 in die Tat umgesetzt. Nach dem 2. Weltkrieg besann man sich jedoch wieder des ursprünglichen, barocken Baustils. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Renovierung der Edenhauser Kirche im neubarocken Stil in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg eine außerordentlich gelungene Synthese zwischen den neuzeitlichen Anforderungen an ein Gotteshaus und dem Versuch, das ursprüngliche Aussehen von 1735 wieder herzustellen, darstellt. Die neuromanischen Elemente passen sich ohne Stilbruch ins gesamte Erscheinungsbild der Kirche ein. Der Baukörper und die Ausstattung dieser Kirche bieten nun den Rahmen für die Gottesdienstgestaltung. Es liegt somit an den Bewohnern Edenhausens, durch ihre aktive Teilnahme am kirchlichen Leben das Gebäude so zu nutzen, dass auch in Zukunft die sonntägliche Messfeier in diesem Kirchenraum stattfinden kann.